Verein für transmediterranen Kulturdialog                                                                                                                                                 +49-151-1551 4895   |   kontakt@eurient.info

Androgynie als Metapher

Androgynie als Metapher

Androgynie als Metapher

Datum/Zeit
Dienstag, 12. Mai 2015
19:00 - 21:00

Ort
Bibliothek Albertina - Vortragsraum

Kategorie

Seit Platons Symposion ist das Androgyne ein wiederkehrendes Motiv in der europäischen Kunst und Literatur. Doch wie – in welchen Formen, unter welchen Vorzeichen und zu welchem Zweck – wird Androgynie in der modernen arabischen Literatur aufgegriffen?

Die Überlegungen dieses Vortrags sind in einen umfassenderen Rahmen einzuordnen: Dabei geht es um die Frage, wie Vorstellungen von gender und der Paradigmenwechsel, der sich im Laufe der Jahrzehnte in den theoretischen Diskussionen – im Westen wie in der arabischen Welt – vollzogen hat, in den Texten arabischer Autorinnen und Autoren ausgestaltet werden. Von zentraler Bedeutung sind neben Sexualität und männlich bzw. weiblich konnotierten Räumen (gendered spaces) vor allem Grenzgänge oder Geschlechter-Transgressionen – letzterer ein Begriff, der Ambivalenzen und kreative Potentiale ausdrücklich einschließt. Ein prominentes Beispiel für solche Grenzgänge oder Geschlechter-Transgressionen ist das Motiv des Androgynen. Bis heute ist umstritten, ob das Androgyne, indem es die Geschlechtergrenzen überschreitet bzw. unterläuft, tatsächlich subversiv wirkt oder ob es vielmehr herrschende Normen und Dichotomien affirmiert, da es letztlich doch auf der Vorstellung einer Zweigeschlechtlichkeit basiert.

Der Vortrag zeigt zunächst eine Reihe von Deutungsmöglichkeiten des Androgynen auf – fokussiert auf die Debatten um Umfeld der feministischen und gender-Forschung –, ehe er eine exemplarische Analyse zweier Romane vornimmt: Eine androgyne Jesusfigur und ein effeminierter junger Mann mit homosexuellen Neigungen – dies sind die Protagonisten der beiden in den 1990er Jahren publizierten Romane, die hier in Hinblick darauf untersucht werden, wie sie auf das Motiv des Androgynen rekurrieren, welche vielfältigen Bezüge und Aspekte sie dafür wählen und welche Wirkung sie damit erzielen.

Die beiden libanesischen Autorinnen – und Schwestern – Nadjwā und Hudā Barakāt entwerfen in ihren Romanen, die hinsichtlich des Settings, des Plots wie auch des Stils kaum unterschiedlicher sein könnten, auf je eigene Weise eine (männliche) androgyne Figur, die nach Art des Bildungsromans infolge einer Reihe von Erfahrungen schließlich eine eindeutig männliche Identität annimmt. Die Ambiguität der Protagonisten, der in beiden Romanen eine zentrale Rolle zukommt, geht in ihrer Bedeutung weit über eine Geschlechtsambiguität hinaus. Die androgynen Züge sind, so meine These, vielmehr als Metapher zu verstehen und verweisen auf grundlegende gesellschaftliche Konflikte innerhalb der libanesischen Gesellschaft.

Zeit: Dienstag, der 12. Mai, 19 Uhr
Ort: Vortragssaal der Universitätsbibliothek Albertina

von Jun.-Prof. Dr. Barbara Winckler – Juniorprofessorin für Arabische Literatur und Kultur der Moderne an der Universität Münster (https://www.uni-muenster.de/ArabistikIslam/Mitarbeiter/winckler.html )

Ermöglicht durch das Orientalische Institut
Dank an das Zentrum für Frauen und Geschlechterforschung und derHannchen-Mehrzweck-Stiftung

Zur Werkzeugleiste springen